Das Modell Prignitz

Seit Oktober 2019 gehen wir der Frage nach, wie Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe in der Prignitz, darunter sehr viele inhabergeführte Kleinst- und Kleinbetriebe im ländlichen Raum, die Herausforderungen einer professionellen Personalarbeit meistern können. Im Ergebnis wollen wir uns mit dem geplanten Modellprojekt “Betriebliches Vereinbarkeitsmanagement im Prignitzer Gastgewerbe” diesen drei Aufgaben widmen:

  • Flexible Qualifizierungsangebote ortsnah: Sehr vielen Unternehmen stehen auf dem regionalen und auch überregionalen Arbeitsmarkt gar keine Auszubildenden und erfahrenen Fachkräfte zur Verfügung. Sie beschäftigen und qualifizieren Quereinsteiger*innen und – mit etwas Glück – Berufseinsteiger*innen. Die Qualifizierung findet in der Regel im Prozess der Arbeit statt und wird oft durch die Inhaber*innen selbst geleistet; passgenaue Fortbildungen in zumutbarer Entfernung gibt es für die meisten Häuser nicht. Eine mögliche Lösung: Fortbildungen selbst organisieren – gemeinsam, lokal, genau nach Bedarf.
  • Für die Branche begeistern: Eine Community überzeugter Gastgeber*innen, Berufsethos und Teamgeist, Gestaltungs- und Entwicklungsfreiheiten, vielfältige Einsatz- und Karrieremöglich-keiten – was Menschen in der Branche hält, verblasst meist hinter ihren weit bekannteren Nachteilen: Vor allem jungen Leuten und Müttern/Vätern auf Ausbildungs- oder Arbeitplatzsuche wird die Branche oft gar nicht erst angeboten. Eine mögliche Lösung: Vertreter*innen der Branche, vom Praktikanten bis zur Inhaberin, in Bild und Ton für sie sprechen lassen und als Arbeitgeber*innen gemeinsam werben.
  • Vielfalt nutzbar machen: Ausbildung und Beschäftigung in der Region ist für einige Menschen ein wichtiger Schritt in ein selbstbestimmtes Leben – Menschen mit Beeinträchtigungen, Menschen mit Flucht- oder anderer Zuwanderungsgeschichte, Menschen mit geringer Bildung und Arbeitswelterfahrung. Auch das Gastgewerbe möchte dieses Potenzial nutzen. Im Alleingang scheitern aber Betriebe oft an dem hohen Aufwand und an fehlenden Informationen. Auch erfolgreiche Geschichten bleiben oft Einzelfälle. Eine mögliche Lösung: Aktiv mit den Fachleuten in Institutionen und Projekten zusammenarbeiten und Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen pflegen.

Die Idee setzt auf Kooperation statt Konkurrenz: Was sich unter Unternehmen der Hotellerie und Gastronomie gästeseitig bereits bewährt hat, kann auch in Bezug auf Azubis und Arbeitskräfte helfen.

Wenn alles gut geht und der Vorschlag im Förderprogramm “Soziale Innovationen” angenommen wird, können wir im Juni 2020 loslegen. Mit im Boot sind dann 6 kleine gastgewerbliche Betriebe aus verschiedenen Gegenden in der Prignitz, der Tourismusverband Prignitz e.V., die Wirtschaftsinitiative Westprignitz e.V., das Jobcenter Prignitz und der DEHOGA Kreisverband Ostprignitz.

Sie sind auch interessiert? Dann melden Sie sich gerne bei uns!